Zertifikat für soziales Engagement


RECKLINGHAUSEN. (Recklinghäuser Zeitung) Courage ist ein Fremdwort. Semantisch sowieso und im übertragenden Sinne ist es das für viele auch. Das Netzwerk Bürgerengagement hält dagegen und setzt dazu schon bei den Jungen an. Einige von ihnen erhielten jetzt für ihr soziales Engagement ein Zertifikat.

In sogenannten „Ergänzungsstunden“ lernten Neuntklässler der Hauptschule Wasserbank und der Gesamtschule Suderwich im Praxistest, dass der Einsatz für andere lohnt. Gestern haben sie in einer kleinen Feierstunde von Bürgermeister Wolfgang Pantförder im Rathaus ein Zertifikat bekommen. Als Dank und Anerkennung, sicher aber auch um der Sache mehr Gewicht zu geben. Selbstloses Handeln ist nicht (mehr) selbstverständlich und muss deshalb positiv bestärkt werden, so scheint es.
Das Mittel zur Motivation ist letztendlich beliebig, solange das Ergebnis stimmt. Die Jugendlichen jedenfalls haben in den zehn Einheiten, in denen sie sich freiwillig entweder mit Kindern oder mit alten Menschen im Seniorenheim beschäftigt haben, viele Eindrücke gesammelt. Und sie haben gelernt, dass sich die Welt nicht allein um sie dreht.
Berührungsängste gab es zu Beginn des Projekts sehr wohl. Verschwiegen werden sollen sie nicht. Im Laufe der Zeit hat sich die Angst aber zum Großteil gelegt.
Beim Bingo und anderen Gedächtnisspielen haben sie viele – wenn auch nicht alle – Vorbehalte abgelegt.
Auch dazu ist das Projekt vermutlich da: Den Berufswunsch des einen oder anderen auf dem Sektor mit hoher Sozialkompetenz zu bestärken. Der Umgang mit Krankheit und Tod war für die meisten Neuland. „Die haben uns manchmal gar nicht erkannt“, erinnert sich eine Schülerin an Altenheim-Bewohner mit Demenz. Und ihr Lehrer Detlef Tschötschel fügt hinzu: „Einige Schüler haben auch erlebt, dass Menschen gestorben sind.“ Das hat prägenden Eindruck hinterlassen – soviel entnimmt man seinen Worten. In jedem Fall haben die Jugendlichen der beiden Recklinghäuser Schulen „über den Tellerrand geschaut“ und bestenfalls gelernt, sich selbst auch mal hintenan zu stellen. Dafür gab’s am Ende das Zertifikat.

Recklinghäuser Zeitung am 04.06.2012